Steil Gestaltung & Typographie
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Kurzvorstellung: QuarkXPress 2017

Mai 2017 — Vor einigen Tagen gab Quark die Veröffentlichung der nächsten Version des DTP-Urgesteins XPress bekannt. Die vorige Version ist nicht einmal ein Jahr alt, aber in der Zeit haben die Programmierer wieder unglaublich viel neues geschaffen, was uns Designern die Arbeit erleichtert. Wie schon bei der vorigen Version haben die Entwickler sich nicht einfach gedacht, dies oder das wäre doch schön, sondern eine Umfrage unter Nutzern gemacht und die Ergebnisse umgesetzt.

Neue und verbesserte Textfunktionen

Für mich als Typographen sind selbstverständlich die Textfunktionen von größtem Interesse. Da springen mir zwei Funktionen besonders ins Auge:
Zum einen die Spaltenspanne und -trennung. Ja, das gibt es andernorts schon länger, aber eine Funktion zu haben und eine Funktion nutzen zu können, sind zwei Paar Schuhe. Bei XPress haben wir eines der zweiten Sorte. Ein dreispaltiges Layout mit Überschrift über alle Spalten, Unterüberschriften über zwei Spalten — kein Problem. Und die Spaltenlinie gibt es bei Bedaf gleich dazu. So geht das! Ein Klick auf das Bild vergrößert es.
Maßpalette, Reiter Spaltenspanne
Zum anderen gibt es jetzt Absatzschattierungen, auch die gleich richtig. Zum einen kann man Absätzen einen Hintergrund geben, die Ausrichtung wählbar aus den drei Möglichkeiten Text, Einzüge und Spalte, die Abstände für jede Seite sind individuell einstellbar, auch über den Spaltenrand hinaus. Zum anderen kann man Absätzen auch Rahmen geben. Auf welcher Seite ein Rahmen stehen soll ist ebenso einstellbar wie die Abstände. Linienart, -farbe und -stärke sind auf allen Seiten gleich. Aber das ist nicht alles: beide Funktionen können nicht nur auf ganze Absätze angewendet werden, sondern auch auf Zeichen. Dafür muss man nur den Text markieren, die allwissende Maßpalette springt automatisch auf Text um, wie man im Screenshot ganz links sieht. Alle Methoden sind selbstverständlich beliebig kombinierbar. Ein Klick auf das Bild vergrößert es.
Maßpalette, Reiter Textschattierung
Für mich eine sehr selten genutzte Funktion: Textkonturen, auch hier ist alles einzeln einstellbar, von Stärke über Farbe bis zur Transparenz für jedes einzelne Element. Aber ich kenne das Problem des fehlenden Kontrastes von Text und Bild – vielleicht werde ich doch noch ein Fan dieser Textkonturen?
Weitere neue und verbesserte Funktionen betreffen die Verkettung von Textrahmen, weitere typographische Anführungszeichen (jetzt sind es 13), erweiterte Unterstützung von Stil-Sets bei OT-Schriften (jetzt 33), der Word-Import inklusive Tabellen, die End- und Fußnotenfunktion.

Neue und verbesserte Bild- und Grafikfunktionen

Für Version 10 war XPress in großen Teilen neu programmiert worden, besonders die Grafik-Engine ist seitdem unschlagbar in Sachen Geschwindigkeit, Bildqualität und Vergrößerung (bis 8000 %). Das zeigt sich auch bei der neuen zerstörungsfreien Bildbearbeitungsfunktion. So eine gab es vor Jahren schon einmal, sie war nahezu unbrauchbar, weil schrecklich langsam. Jetzt geht alles in Echtzeit, alle Einstellungen werden parallel zur Eingabe angezeigt. Zusammen mit den neuen Blendmodi kann man jetzt für viele Aufgaben auf eine Bildbearbeitungssoftware verzichten. Und sieht unmittelbar, wie die Auswirkungen im Layout ankommen.
Die mehrstufigen Verläufe wurden weiter verbessert, jetzt funktionieren sie für alle Verlaufsformen und auch für Rahmen. Geblieben sind selbstverständlich die bisherigen Möglichkeiten wie beliebige Rotierbarkeit.
Dazugekommen ist auch ein Objektformat-Übertragungswerkzeug.

Digitale Ausgabe

Seit vielen Jahren ist XPress nicht nur für die Printausgabe gerüstet, sondern auch für die digitale. Neu ist die unbegrenzte Erstellung von iOS-Single-Apps direkt aus XPress heraus. Ja, man kann so viele Apps erstellen, wie man für sich oder seine Auftraggeber benötigt, ohne weitere Kosten als den Apple-Entwickler-Account. Weitere digitale Ausgabeformate sind: HTML5-Publikationen als Flipbook-Ersatz, ePub3 und mobile Apps.

Datenübernahme

Wer je von einem Layoutprogramm zu einem anderen gewechselt ist, wird das sicher nicht gerne ein zweites Mal machen. Aber Quark macht es leicht: seit der Version 2016 sind PDFs, EPSe, AI- und ID-Daten als native Daten importierbar oder in bearbeitabre Daten umwandelbar. Und das funktioniert! Bei der Unzahl von Programmen, die PDFs erstellen können, selbstverständlich nicht völlig problemlos – man kennt das schon vom Textexport aus PDFs –, manche weit gesetzte Zeile kommt in einzelnen Wörtern oder gar in einzelnen Zeichen an. Aber es wird immer besser, nicht zuletzt, weil jetzt auch Textrahmen mit Inhalt verknüpft werden können. Dabei ist selbstverständlich die Verknüpfungsreihenfolge wählbar.

Fazit

Wer micht kennt, weiß, dass ich mich nie so recht für ein anderes Layoutprogramm erwärmen konnte, dass mich XPress mit seiner Stablität, Schnelligkeit und Ergonomie (und Begrifflichkeit) immer überzeugte. Von daher hatte Quark leichtes Spiel. Und wer mich etwas besser kennt, weiß auch, dass ich immer wieder neidisch war auf die eine oder andere Funktion bei anderen. Aber oft genug sind die dort nur halbgar oder rudimentär. Quark macht das seit vielen Jahren anders und besser: Wenn eine neue Funktion, dann aber richtig. (Na gut, bei den Fußnoten ist das nicht so ganz gelungen.)
XPress ist weiterhin so schnell wie sein Name verspricht, ist weiterhin äußerst stabil (schon die hier verwendete Presse-Vorab-Version macht keinerlei Probleme) und so übersichtlich und ergonomisch wie eh und je. Statt das Layout verdeckender großer Paletten gibt es eine allwissende und dynamische Maßpalette, so hat man jede Layoutänderung immer sofort komplett im Blick – nach einer kleinen Umgewöhnungsphase will ich das nicht mehr missen!

Die Investition

Sie ist gut angelegt: Eine unbegrenzte Kauflizenz, Updates von jeder Version seit XPress 3 sind möglich. Und eine alte Lizenz haben sicherlich viele noch irgendwo, sonst hilft sicherlich der kompetente Service – ja, hier gibt es auch Service!
Wie üblich gibt es bis zur Veröffentlichung am 24. Mai attraktive Angebote (und danach dann sicherlich andere).

PS: Das ist nicht alles an Neuerungen, auch sind viele Funktionen nicht erwähnt, die schon lange dabei sind: die nahezu fehlerfreie Silbentrennung (mehr als ein Fehler pro 200.000 Zeichen ist selten), Transparenz-Einstellungen als Funktion einer Farbverwendung und nicht eines Objektes, ein Randausgleich, der zeichenweise einstellbar und in Sets etwa für unterschiedliche Schriftgrößen oder -arten speicherbar ist, die allwissende Maßpalette, die die Layout-verdeckenden Paletten überflüssig macht und alle Änderungen sofort sichtbar werden lässt. Nach einer kurzen Umgewöhnungsphase möchte ich die nicht mehr missen.